Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Zweiter Bericht von Kornelia in Libano

16.02.2014, 08:37

Mit einem Riesenschrecken habe ich vor kurzem in den Kalender geschaut und festgestellt, dass schon die Hälfte meiner Zeit hier in Kolumbien verstrichen ist! Sechs Monate können doch nicht einfach so verfliegen? Oder doch?


Aktionen mit Creamos und dem Hogar del Niño


Seit Mitte Oktober gehe ich mit den Schwestern des Vinzentiner-Ordens jeden Freitagnachmittag ins barrio „Villa Liliana“. Dort leben viele Kinder, für die wir eine Gruppenstunde machen. Mit Liedern, Bewegungsspielen und kleinen Bastelaktionen verbringen wir schöne Nachmittage mit den Kindern mitten in einem der vielen Kaffeeanbaugebiete rund um Líbano. Da der Altersunterschied bei den Kindern sehr groß war, haben wir die Gruppe in zwei Untergruppen unterteilt. Das ermöglicht es uns, altersgerechter mit den Kindern zu arbeiten. Zum Beispiel haben wir 2 Wochen zum Oberthema „Herkunftsland von Jesus“ gearbeitet. Am 31. Oktober, an dem hier nicht nur Halloween, sondern auch der „Dia de los Niños“ („Der Tag der Kinder“) gefeiert wird, gab es als kleine Überraschung „perros calientes“ – Hotdogs! Auch im Kinderheim haben wir den „Dia de los Niños“ ausgiebig gefeiert. 50 Kinder haben sich im kühlen Nass des öffentlichen Schwimmbads von Líbano vergnügt und anschließend genüsslich ein Stück Torte verzehrt.

Am 12. November haben wir traditionsgemäß mit den Kindern der Fundación Sankt Martin gefeiert. In Kolumbien wird dieser Tag normalerweise nicht gefeiert und deswegen wird die Vorbereitung dieses Events jedes Jahr von den Freiwilligen übernommen - dieses Jahr also meine Aufgabe. Nach dem Laternenbasteln, was mit 50 Kindern mehr oder weniger stressig war, wurde kurz die Geschichte vom heiligen Sankt Martin vorgelesen, um den Kindern mehr über diesen Brauch aus Deutschland zu vermitteln. Einen riesigen Spaß hatten die Kinder beim Versuch, die Sankt-Martins-Lieder auf Deutsch mitzusingen. Anschließend haben wir dann gemeinsam die gefälschten Weckmänner, welche zwar aus einem anderen Teig waren, aber trotzdem sehr gut geschmeckt haben, und die heiße Schokolade genossen.


Dezember – reichlich Termine…


Rückblickend betrachtet war der Monat Dezember voller Termine und Events und nicht selten ziemlich stressig. Neben der heiligen Erstkommunionsfeier von 11 Kindern der Fundación, durften wir auch an einer Veranstaltung teilnehmen, die „Mesa por la Paz“ („Runder Tisch für den Frieden“) hieß und von Marjams Organisation „Concern Universal“ mitorganisiert worden ist. Dort kamen Vertreter verschiedener Zusammenschlüsse und Organisationen zusammen, um gemeinsam Wege für ein friedlicheres Kolumbien zu suchen.

Doch Anfang Dezember starteten wir in der Fundación mit einem sehr entspannten und erholsamen Event in den letzten Monat des Jahres. Mit allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Fundacion haben wir einen Ausflug an die Karibikküste gemacht! Die 22 Stunden lange Busfahrt war zwar anstrengend, hat sich aber mehr als gelohnt! In Santa Marta haben uns heiße Temperaturen, atemberaubende Strände und fröhliche Tanzrhythmen erwartet. Mein persönliches Highlight der Reise war ein Ausflug in die nördlichste Region Kolumbiens, die auch „la Guajira“ genannt wird. Dort leben noch viele Ureinwohner auf traditionelle Art und Weise. Sehr spannend war es auch, von einer Stammesführerin mehr über die Traditionen und Lebensweisen der „Wayu“, so hieß der Stamm, zu erfahren. Anschließend durften wir eine Nacht in Hängematten direkt am Strand übernachten und morgens mit einer warmen Meeresbrise um die Nase aufwachen.

Am 16. Dezember gab es in Ibagué, der Hauptstadt des Departamentos Tolima, eine Ausstellung aller sozialen Einrichtungen Tolimas, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten. Ausgestellt wurde selbstgebastelter Weihnachtsschmuck, der ausnahmslos aus recycelten Materialen bestehen musste. Schon Wochen vorher eröffneten wir also in der Fundacion mit den Kindern die Weihnachtswerkstatt und bastelten, was das Zeug hielt. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen: glitzernde Tannenbäume aus Bierkronen, Weihnachtsengel aus alten Plastikflaschen und Sterne aus Altpapier!


„Novenas“ – Vorbereitung auf Weihnachten


Der 16. Dezember war aber nicht nur Tag der Ausstellung in Ibagué, sondern auch Startschuss für die in Kolumbien traditionell gefeierten „Novenas“, die jedes Jahr 9 Tage vor Weihnachten beginnen. Bei dieser Tradition handelt es sich um einen jahrhundertealten Brauch, sich in den letzten Tagen vor Heiligabend jeden Tag mit Gebeten und Liedern auf die Geburt Jesus Christus vorzubereiten. Zusammen mit den Kindern haben wir die „Novenas“ natürlich auch in der Fundacion gefeiert und vor der selbstgebastelten Krippe gesungen und gebetet. Mir persönlich hat diese Tradition sehr gut gefallen und auch die Kinder hatten Spaß dabei, ein Weihnachtslied nach dem anderen zu schmettern.


Weihnachten in Líbano, Silvester in Bogotá


Heiligabend hab ich zusammen mit Marjam in Líbano im Kreise meiner Gastfamilie gefeiert. Auch wenn ich dieses Weihnachtsfest ganz anders erlebt und gefeiert habe als alle Jahre zuvor in Deutschland, gefiel es mir gut. Am 27. Dezember sind Marjam und ich dann nach Bogotá aufgebrochen, um dort mit Yannik ins Neue Jahr zu feiern. Vorher hat er uns noch ein bisschen die schönsten Ecken dieser unglaublich riesigen Stadt gezeigt. Viele Kolumbianer sagen, dass Bogotá die Stadt Kolumbiens ist, die am wenigsten Kolumbien ist.  Und auch Marjam und ich hatten das Gefühl, wieder in einer ganz anderen Welt zu sein: riesige Einkaufszentren, teure Restaurants und ein erdrückender Straßenverkehr. Trotzdem war es auch mal schön, diese Seite Kolumbiens zu sehen, schließlich leben fast 20% der Gesamtbevölkerung in Bogotá!


Ein Zwischenseminar in Ecuador


Nachdem wir uns am 1. Januar noch ein bisschen von der Feier des Vortages erholen konnten, ging es am 2. Januar auch schon weiter nach Ecuador zu unserem Zwischenseminar. Das Zwischenseminar selber fand in einem schönen kleinen Örtchen namens „Baños del Agua Santa“ in der Nähe von Quito statt. Zusammen mit 4 Freiwilligen aus Ecuador und zwei weiteren Freiwilligen, die in Kolumbien in Projekten arbeiten, haben wir eine sehr schöne Woche dort verbracht. Sehr interessant war es auch zu erfahren, wie es den anderen Freiwilligen in den vergangenen 5 Monaten ergangen war und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Zum Abschluss des Seminars begleiteten wir drei Freiwillige, die in Quito in einem Jungenheim arbeiten, zurück nach Quito und durften uns ihr Projekt näher anschauen. Viel zu schnell ist die Zeit in Ecuador vergangen und am 13. Januar ging unser Flieger wieder zurück nach Bogotá.


Nach der Auswertung ist vor der Auswertung


Am 16. und 17. Januar stand dann noch die Zwischenauswertung an, sowohl mit unseren Partnern hier in Kolumbien, als auch mit unseren Entsendeorgansiationen aus Deutschland. Doch da weder Yannik noch Marjam noch ich in den vergangenen Monaten schwere Probleme in unseren Projekten hatten, fiel allen die Auswertung sehr leicht.
Als kleines Highlight der Zwischenauswertung in Ibagué hatten wir am Wochenende die Gelegenheit, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Marjams Organisation („Fundación Concern Universal“) zu einem Projekt mit indigenen Dörfern im Süden Tolimas zu begleiten. Das war super spannend und hat einen Riesenspaß gemacht.
Hoffnungslos verliebt.

Nach knapp 3 Wochen, die von Reisen und Seminaren geprägt waren, war ich am Ende heilfroh, wieder in Líbano angekommen zu sein! Da die Fundacion seit Anfang dieses Jahres ein neues Projekt gestartet hat, hatte ich auch keine Langeweile bei der Arbeit. Bei dem neuen Projekt handelt es sich um die Betreuung von Pflegefamilien, die immer mindestens zwei Kinder aufnehmen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können. Um das Projekt besser kennenzulernen, durfte ich in den letzten Tagen sowohl die Sozialarbeiterin als auch die Psychologin zu Familienbesuchen begleiten.

In den vergangenen sechs Monaten habe ich mich hoffnungslos in Kolumbien und die Menschen hier verliebt! Ich freue mich schon sehr auf die Arbeit im neuen Projekt und hoffe, dass die nächsten sechs Monate nicht mehr ganz so schnell verstreichen wie die ersten sechs.

Liebe Grüße aus dem schönen Líbano,
Kornelia

Zurück


Jetzt für ein Auslandsjahr bewerben!

Bewerbungsschluss für die einzelnen Projekte liegt zwischen dem 15. Oktober und dem 30. Januar jeden Jahres. Das heißt, dass Sie sich in der Regel bis zu einem dreiviertel Jahr vor dem gewünschten Einsatztermin bewerben müssen.