Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Wie geht es mir nach gut sieben Monaten in Kolumbien?

11.11.2011, 10:00

2. Bericht von Lioba

Nach einem ziemlich anderen Weihnachtsfest, einem tollen Urlaub in Peru und dem Zwischenseminar in Bolivien hat sich bei mir nach meiner Rückkehr nach Medellin ein bisschen was verändert.

Nach all den vielen Orten, die ich seit Mitte Dezember besucht und gesehen habe, den vielen neuen Eindrücken, die ich noch abzuspeichern versuchte, war die Rückkehr in mein bereits bekanntes Umfeld etwas seltsam für mich und ich brauchte sowohl in der Stadt als auch im Red erst ein wenig Eingewöhnungszeit.

Mittlerweile bin ich umgezogen und bewohne ein Zimmer im Haus einer älteren Señora im Westen der Stadt und fühle mich wirklich wohl dort.

Ich gestalte meine Freizeit viel mehr, besuche mehrmals die Woche einen Capoeirakurs, gehe manchmal in die Universidad National oder gerne auch Salsa tanzen.

Während der Zwischenauswertung gemeinsam mit Red und der KJG suchten wir nach neuen Wegen, mich mehr in die Regelarbeit des Red einzubeziehen. Ich habe mittlerweile auch etwas mehr zu tun, jedoch habe ich das Gefühl, dass die Chemie irgendwie immer noch nicht ganz stimmt…

Wie im letzten Jahr, fahre ich mit Alvaro wöchentlich hoch ins Barrio „La Cruz“. Mittlerweile beschäftigen wir uns während dieser Treffen hauptsächlich mit Übungen, die das Lese- und Schreibvermögen der Kinder fördern sollen, da viele damit massive Probleme haben und kaum Zugang zu (altersgerechten) Büchern haben. Da der Fernseher auch in den Barrios Medellins für sehr viele attraktiver als bedruckte Seiten scheint, ist es neben einem Ausgleich der Schreibschwächen außerdem Ziel, das Interesse an Büchern ein wenig zu wecken.

Da ich Sitzen und Konzentrieren nicht so richtig als Stärke von dem lustigen lauten Chaostrüppchen bezeichnen würde, ist das nicht immer ganz leicht. Und auch wenn ich beim Programm nicht von allen Methoden überzeugt bin und gerne mal einige neue Dinge ausprobieren würde, finde ich den Ansatz des Red Juvenil hier wichtig und die Arbeit mit den Kindern macht immer mehr Spaß.

Seit Anfang des Jahres nehme ich an den Treffen der „grupo de autogestion“ (Selbstverwaltung) teil, die verschiedene Projekte plant, wie z.B. eine eigene Bar im Red Juvenil sowie das Bedrucken von eigenen T-Shirts.

Da diese bis jetzt jedoch noch nicht so wirklich vorankommen und geplante Treffen hierzu fast immer spontan doch ausgefallen sind, ist das größte „baby“ dieser Gruppe wohl zurzeit die Organisation des „trueke del tiempo“ (was soviel wie Zeittausch bedeutet). Fast jeder im Red hat hierfür auf einer Liste eingetragen, was er kann und anbieten möchte, jemand anderem beizubringen. Ebenso, was er immer schon mal gerne lernen würde. Als Beispiel seien dafür Theater, Massagen, Kochkurse, Literaturclubs und so weiter genannt.

Diese Idee, untereinander so „Zeit zu tauschen“ finde ich vom Prinzip her ziemlich genial. Ich stelle allerdings fest, dass es im Red oft einfach so bunt und durcheinander vorgeht und fast jeder so viel mit sich oder seiner Arbeit zu tun hat, dass kaum Raum für so etwas bleibt.

Das finde ich ein bisschen schade und wir überlegen zurzeit noch, wie wir die Leute ein wenig auf den Geschmack bringen und motivieren können, die gegenseitigen Angebote auch wahrzunehmen.

Zusätzlich übernehme ich einige Aufgaben bei der Durchführung des „mercados“. Hierbei bestellen wir im Kollektiv (alle Mitarbeiter des Red und jeder, der sonst noch möchte) alle zwei Wochen bei einer Art Bauernverband biologisch angebautes Obst und Gemüse.

Dafür aktualisieren wir regelmäßig die Angebots- und Preislisten, nehmen die Bestellungen entgegen und bringen anschließend alle Produkte unters Volk. Ziel des Ganzen ist außerdem, über den biologischen Anbau zu informieren und immer mehr Kundschaft zu gewinnen.

Am 8. März, dem internationalen Frauentag hat das Red eine Aktion zum Thema „No soy tu muneca, no me digas que hacer“ (Ich bin nicht deine Puppe, du sagst mir nicht, was ich zu tun habe) organisiert.

Auch wenn nicht jeder meiner Tage hier von vorne bis hinten ausgefüllt ist, mache ich doch immer mehr und die Tage fliegen in scheinbar unglaublichem Tempo an mir vorbei.

Die zweite Hälfte meines Jahres hier ist in vollem Gang und ich möchte sie nutzen…

Lioba

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