Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Ich bin nicht schwarz, ich bin braun.

05.01.2011, 10:00

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Deutschland. Als ich aus Sambia kam, wusste ich, dass ich eine andere Hautfarbe habe als die meisten Menschen in Deutschland. Aber erst als wir unseren Anschlussflug in Südafrika erreichten, wurde mir wirklich bewusst, dass ich in Deutschland auf Menschen mit einer “neuen” Hautfarbe treffen würde. Dies ist wirklich in der Hinsicht richtig, als dass meine Gastfamilie “weiß” ist, die Kinder im Kindergarten “weiß” und auch meine deutschen Freunde „weiß“ sind.

Ich kann sagen, dass ich Glück hatte, denn die Kinder im Kindergarten fragten mich nie, warum ich eine andere Hautfarbe habe. Aber es gibt etwas, das ich nur schwer erklären kann: meine eigene Hautfarbe. Die Kinder sagen, ich sei „schwarz“, aber das akzeptiere ich nicht. Ich sage ihnen, dass ich nicht schwarz bin, sondern braun. Dies mag für andere komisch klingen, aber ich bin nun mal nicht schwarz, oder?

Farben sind im Leben der Menschen sehr wichtig, und Menschen, die farbenblind sind, werden oft als nicht normal eingestuft. Ich möchte aber nicht sagen, dass Menschen, die mich „schwarz“ nennen, nicht normal sind. Was ich sagen will, ist, dass wir uns die Farben genauer anschauen sollten und sie dann auch so nennen sollten, wie sie sind. Sie geben mir sicher Recht, wenn ich sage, dass dunkelrot nicht braun und dunkelblau nicht schwarz ist. Eine bestimmte Farbe ist eine bestimmte Farbe, ob sie nun hell oder dunkel ist.

Nach den Ferien werde ich wohl wieder mit den neuen Kindern im Kindergarten über meine Hautfarbe diskutieren, aber ich bin braun, nicht schwarz! Einmal hatte ich ein schwarzes Hemd an und fragte die Kinder nach dem Unterschied zwischen der Hemdfarbe und meiner Hautfarbe. Wenn ich ein schwarzes Hemd trage, kann man sehen, wo das Hemd aufhört. Mit anderen Worten: Man kann meine Haut vom Hemd wegen der unterschiedlichen Farben unterscheiden.

Schwarz ist die Farbe meines Haars, nicht meiner Haut. Das bedeutet, dass ich noch viel zu tun habe, um meinen Mitmenschen die Farbe meiner Haut klarzumachen. Ich habe auch mitbekommen, dass mich Leute „afrikanisch“ nennen. Es ist in Ordnung, wenn man mich „afrikanisch“ nennt, denn es ist eine Tatsache, dass ich aus Afrika komme. Aber es stimmt nicht, dass ich schwarz bin. Ich mag dunkel sein, aber nicht schwarz.

Ich kann auch nicht vor der Tatsache weglaufen, dass ich eine dunklere Hautfarbe als die Menschen hier habe. Ich erinnere mich, dass, als ich mir in einer Gaststätte das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien anschaute, ich mich nach anderen Afrikanern umschaute. Aber zu meiner Überraschung gab es niemanden außer mir. Da habe ich gedacht, dass sich bestimmt jeder fragt, warum ein Afrikaner da ist, obwohl keine afrikanische Mannschaft spielt. Das mag nur eine Vermutung sein, doch dadurch, dass ich der einzige Afrikaner war, wurde es mir mehr bewusst, dass ich der einzige Dunkelhäutige unter lauter Hellhäutigen war. Ein anderes Mal war ich in Kreuzau zum Schwimmen. Kein anderer Afrikaner war da, also fragte ich mich, wo man andere Afrikaner findet. Im Schwimmbad wurde ich von vielen Leuten gegrüßt, denn jeder nahm mich wahr, ob ich es wollte oder nicht.

Manchmal denke ich, dass ich vielleicht meine Hautfarbe ändern müsste, um mich in dieser Gesellschaft anzupassen, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass ich eine dunkle Hautfarbe habe. Wow! Wenn ich mich im Spiegel sehe, sehe ich einen hellen Gaitano, aber wenn ich mit meinen Gasteltern oder meinen deutschen Freunden zusammen bin, glaube ich, dass meine Haut sehr dunkel ist, noch dunkler als sie eigentlich ist. Was soll ich also tun?

Eine meiner Kolleginnen im Kindergarten fragte mich an einem sonnigen Tag, ob ich Sonnencreme bräuchte, und ich verneinte. Dann wollte sie wissen, ob ich auch manchmal einen Sonnenbrand bekäme, und ich sagte stolz “nein”. Auf einmal war ich stolz auf meine Hautfarbe. Meine Haut enthält viel Melanin, um mich vor einem Sonnenbrand zu schützen. So kann ich an einem heißen Tag Geld sparen und statt Sonnencreme Eiscreme kaufen. Ich wurde noch stolzer, als meine Kollegin anderen erzählte, dass meine Haut keine Sonnencreme braucht. Dies tat mir gut, denn es bedeutete, dass meine Hautfarbe etwas Besonderes ist. Ein anderes Mal fand ich es sehr merkwürdig, als jemand dachte, dass meine Haut wegen der vielen Sonne so dunkel und schon verbrannt sei. Ich antwortete, dass sich, selbst wenn ich noch 20 oder 30 Jahre in Deutschland bleiben würde, meine Hautfarbe nicht verändern würde, genauso wie bei Kindern afrikanischer Eltern, die in Deutschland geboren wurden. Aber es bleibt die Tatsache, dass ich nicht schwarz bin, sondern nur eine dunkle Hautfarbe habe.

Insgesamt habe ich hier in Deutschland eine wunderbare Zeit. Ich hoffe, dass mein weiterer Aufenthalt noch schöner wird. Meine Gastfamilie ist sehr nett, und ich habe auch ihr gesagt, dass ich braun und nicht schwarz bin. Wow! Es ist wie ein Traum, dass ich mit hellhäutigen Menschen zusammenlebe, die mich nun ihr Kind nennen. Manchmal vergesse ich, dass ich dunkel bin, und dann erinnert mich nur der Spiegel daran, dass ich doch eine dunkle Hautfarbe habe. Wenn ich in Sambia anrufe, fragen mich viele dort, ob ich schon eine hellere Hautfarbe bekommen habe. Und dann sage ich ihnen, dass ich noch dunkler geworden bin, weil nur die sambische Sonne meine Hautfarbe aufhellt.

Ich bin sehr glücklich, weil ich einige Dinge gesehen habe, die es in Sambia nicht gibt, zumindest nicht in meiner Heimatstadt. Ich war schon in der Sauna, und ich frage mich, warum die Menschen es mögen, wenn es so heiß ist. Ich habe mir sogar Sorgen gemacht, dass die Leute denken, dass, wenn ich aus der Sauna komme, noch dunkler bin als vorher. Aber ich habe nur geschwitzt. Und da ich das erste Mal in der Sauna war, hat es mir gefallen. Ich schätze, ich werde noch eine tolle Zeit in Deutschland haben.

Nun kann ich nur noch einmal sagen, dass, wenn man mich Afrikaner nennt, ich antworten werde, auch, wenn man mich einen dunklen Menschen nennt. Aber wenn man mich schwarz nennt, dann tut es mir leid, dann werde ich nicht antworten. Am besten nennt man mich einfach bei meinem Namen. Ich habe noch viel zu sagen, aber jetzt reicht es erst mal für den Augenblick!

Gaitano Kabwe

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