Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Erste Nachrichten aus Libano

10.10.2010, 12:00

So, jetzt ist es also soweit mein erster Bericht aus Kolumbien steht an. Aber wie beschreibt man ein Land das so ganz anders ist als Deutschland? Wie erklärt man wie die Menschen und wie die Kultur hier ist, wenn sie doch so anders ist als man es von zu Hause gewöhnt ist? Nachdem Karo in ihrem Bericht schon ausführlich über unsere ersten 6 Wochen hier berichtet hat, werde ich mich auf ein paar markante Erlebnisse beschränken um somit einen Eindruck von dem Leben hier zu geben. Ich hoffe es gelingt mir.

Ich glaube, das erste Mal, bei dem mir so richtig bewusst wurde, dass ich mich in einem anderen Land befinde, war der zweite Tag nach unserer Ankunft in Bogotá, früh morgens. Karo und ich waren nach einer langen Reise und dafür doch relativ kurzen Nacht morgens früh um 8:00 Uhr hungrig erwacht und freuten uns (jetzt würde ich sagen: naiver Weise!) auf ein deutsches Frühstück. Was uns serviert wurde… noch mal zur Erinnerung: es war 8:00 Uhr morgens… war Suppe mit Fleisch, Kartoffeln, Arepa ( Maiskuchen ) und einer heißen Schokolade. Ja, ich glaube, da hab ich zum ersten Mal realisiert: Deutsch ist das nicht mehr… auch wenn ich damals noch heimlich die Hoffnung hatte, dass es sich bei diesem Frühstück um eine Ausnahme handelte. Mittlerweile kann ich sagen: Nein! Definitiv nicht. Dieses Frühstück entsprach durchaus dem Standard, und auch was andere Mahlzeiten angeht, kann man sagen: Kolumbianer essen gerne, viel und fettig. Und mittlerweile muss ich zugeben, finde auch ich das Essen richtig lecker!

Ein weiteres Erlebnis spricht wohl die so bekannte deutsche Organisiertheit an. Es handelt sich um das Bussystem in Kolumbien. Denn sucht man hier nach Bushaltestellen, geschweige denn Busfahrplänen, kann man suchen bis man grau wird. Die Busse hier (deutschen Sicherheits- standards definitiv nicht entsprechend, aber ein wunderbares Erlebnis) fahren eine bestimmte Route. Möchte man einsteigen, winkt man dem Busfahrer einfach zu und er hält für einen an. Genauso geht das mit dem Aussteigen. Möchte man, dass der Bus anhält, sagt man einfach Stopp und der Bus hält mit quietschenden Reifen. Ja, ich glaube diese beiden Erfahrungen haben mir zum ersten Mal bewusst gemacht: Ich bin in Kolumbien!
Des Weiteren muss ich sagen, dass ich bis jetzt super nette, geduldige und offene Menschen erleben durfte, die einem mit Geduld zuhören, auch wenn man ihre Sprache noch nicht so gut spricht, und die totale Begeisterung zeigen, wenn sie erfahren, dass man aus Deutschland stammt. Oft endet diese Begeisterung übrigens mit Einladungen zum Essen und einem ausgiebigen Fotoshooting.

Nun aber zu den ersten beiden Wochen meiner Arbeit hier in Líbano in der Stiftung “ Hogar del Niño”, einem Heim für Straßenkinder. Meine Arbeit besteht im Groben darin, den Kindern morgens Englischunterricht zu geben, und nachmittags steht Freizeitgestaltung auf dem Programm. Die Mitarbeiter und auch die Kinder versuchen, mir den Einstieg leicht zu machen, trotzdem ist es nicht immer ganz einfach. Zum einen besteht das Problem, dass ich die Sprache immer noch nicht richtig beherrsche, zum anderen, das, ja, nennen wir es mal Temperament der Kinder.
Nicht selten kommt es vor, dass sich die Kinder untereinander prügeln (“wir spielen nur“). Oder während des Unterrichts gerade mal keine Lust, haben zu zu hören und stattdessen lieber durch den Klassenraum laufen oder mit Papierkugeln durch die Klasse werfen. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, und wenn die Kinder einem mit einem strahlenden Lächeln entgegengelaufen kommen, einem ein Küsschen auf die Backe drücken und sagen, dass sie einen lieb haben, verzeiht man ihnen sowieso alles.

Ich hoffe ich konnte mit meinem Bericht einen Eindruck davon vermitteln, wie das Leben hier so ist. Mit den Worten eines Kolumbianers ausgedrückt schlichtweg: Tranquilla! (“Nur die Ruhe!)

Liebe Grüße
Anna Zumdick

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