Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Dritter Bericht von Kornelia in Kolumbien

02.06.2014, 10:52

Ajiaco (beliebtes nationales Suppengericht), Jejen (winzig kleine, kaum sichtbare Stechfliegen, die sich in Wassernähe aufhalten und Tropenbesuchern oft das Leben schwer machen), Arepa (gebackener oder gerösteter Maisfladen), Campesino (Kleinbauer oder Landarbeiter) und Chevere (schön, super, toll): Vor 9 Monaten wusste ich weder, wie man diese Wörter ausspricht noch was sie bedeuten und mittlerweile gehören sie wie selbstverständlich in mein Alltagsvokabular. Dass man eine Sprache, eine Kultur, und dadurch sehr viel von einem Land, im Alltag kennenlernt und von Tag zu Tag neue Erfahrungen macht, die dazu beitragen, dass man sich immer wohler fühlt in diesem Land, passiert so automatisch und mit einer Selbstverständlichkeit, dass ich rückblickend immer wieder erstaunt bin, wie wenig ich vor meinem Dienst über Kolumbien wusste und wie viel ich in den nun 9 Monaten schon dazulernen durfte.

Seit meinem letzten Bericht, den ich Ende Januar geschrieben habe, hat sich viel in meinen beiden Projektstellen getan.

Kurz nach dem Zwischenseminar haben wir es endlich in der Samstagsgruppenstunde bei CREAMOS geschafft, die versprochenen Weihnachtsplätzchen, zu dem Zeitpunkt wohl eher verspätete Neujahrsplätzchen, zu backen. Auch wenn ein Großteil des Teigs schon vorher genüsslich mit bloßen Händen aus der Schüssel kratzend verzehrt worden ist, haben wir es dennoch geschafft, ein bisschen Teig für die eigentlichen Plätzchen übrig zu lassen. Und noch während wir die letzten Bleche im Backofen hatten, wurde in der Gruppe schon einstimmig von den Kindern beschlossen, dass wir ob sofort jeden Samstag backen können.


Mittlerweile ist die Englischklasse bei CREAMOS schon so groß geworden, dass wir die Gruppe aufteilen mussten. So haben zunächst die Jüngeren im Grundschulalter Englischunterricht und anschließend die Älteren. Neben der Englischklasse ist auch die Gruppenstunde im barrio Villa Liliana, die ich zusammen mit den Schwestern des Vicentiner-Ordens mache, weiterhin fester Bestandteil meiner Arbeit. Zusammen mit der Postulantin Milagro betreue ich die Kleinsten.  Da zwei Postulantinnen eine Gruppenstunde in einem anderen Armenbarrio in Libano betreuen, kam die Idee auf, die Kinder dieser beiden barrios mit Hilfe eines Spielenachmittags auf dem großen Fußballplatz zusammenzuführen. Neben dem obligatorischen Fußballspiel hatten sowohl das Rote Kreuz als auch die Jugendgruppe der örtlichen Polizei weitere Aktivitäten für alle Kinder vorbereitet. Die Rückmeldung der Kinder war durchweg positiv und eine weitere gemeinsame Aktivität der beiden barrios ist schon in den Planungen.


tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/boehme-richard/kornelia02.jpgAber nicht nur in CREAMOS, sondern auch im Kinderheim war viel zu tun. Seit Anfang Februar betreue ich neben dem Computerkurs auch ein Umweltprojekt. Zu den ersten Aktivitäten gehörten eine Auflistung unserer „Umweltkompromisse“, die wir anschließend mit unseren Handabdrücken unterschrieben haben, und ein Quiz-Lauf durch den „Parque Infantil“ (Kinderspielplatz). Außerdem entwarfen wir zum Thema Umweltschutz Wandbilder, die wir im Essenssaal an die Wände pinselten. Am 22. April, dem internationalen Tag der Erde, haben wir besonders intensiv über die Themen Umweltschutz und Artenschutz gesprochen, und anschließend Informationsplakate erstellt und im Kinderheim aufgehängt. Ein weiteres Highlight war der Ausflug zum Wasserfall, wo wir ein bisschen genauer hingeschaut und die tierischen Bewohner dieses Bioreservats untersucht haben.


Neben dem normalen Alltag warf aber auch ein großes Ereignis der Fundacion seine Schatten voraus. Das Kinderheim tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/boehme-richard/kornelia03.jpgfeierte sein 20. Jähriges Jubiläum! Um diesen besonderen Tag der Fundacion mit allen Kindern, Mitarbeitern und Unterstützern der Fundacion gebührend zu feiern, begannen die Vorbereitungen schon Wochen vorher und zogen sich bis zum letzten Tag hin. Es wurden Plakate gebastelt, Dekorationen entworfen, Tänze und Theaterstücke eingeübt und Reden vorbereitet. Meine Hauptaufgabe lag in der Erstellung eines Videos, das die letzten 20 Jahre Revue passieren lassen sollte und Interviews mit Mitarbeiterinnen und Kindern enthielt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zwei Tagen Einarbeitung war dann der Grundstein gelegt und das kleine Video wurde pünktlich zum Festabend fertig. Am 28. März war der große Tag gekommen. Schon nachmittags hatten wir auf einem großen Schulhof verschiedene Stationen mit den unterschiedlichsten Spielen für die Kinder aufgebaut. Trotz der Hitze hatten alle Spaß und liefen, hüpften und brüllten um die Wette. Der eigentliche Festakt fand dann abends statt. Neben den vielen Reden und Danksagungen waren die Tanzaufführungen der Kinder das absolute Highlight und selbstverständlich wurden die kleinen Stars auch gebührend vom Publikum gefeiert. Obwohl wir so lange an den Vorbereitungen für diesen besonderen Tag gearbeitet haben, ging der Festtag so schnell um und der Alltag hatte uns wieder.  


tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/boehme-richard/kornelia04.jpgZu dieser Zeit hatte ich das besondere Glück, meine Familie zu Besuch in Kolumbien zu haben. Nachdem wir zwei Tage Kulturprogramm in Bogota genossen hatten, ging es zum großen Fest nach Libano und ich konnte ihnen die schönsten Ecken dieses wundervollen Dorfes zeigen. Anschließend fuhren wir noch eine Woche in Urlaub. Ziel war Cartagena, die wohl bekannteste Stadt ganz Kolumbiens.
Jetzt ist die Zeit meines Dienstes in Kolumbien schon überschaubar und mit ein bisschen Wehmut versuche ich jeden Tag Vollgas zu geben, um noch so viel wie möglich in den Projektstellen mitarbeiten zu können. Besonders freue ich mich auf eine weitere neue Nachmittagsaktivität, die ich zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin der Fundacion durchführen werde. Hierbei handelt es sich um ein kleines Gartenanbauprojekt, das wir mit den Kindern in Angriff nehmen wollen. Aber davon werde ich in meinem nächsten Bericht noch ausführlich erzählen.
Bis dahin schicke ich liebe Grüße aus dem schönsten Dorf Kolumbiens,
Kornelia

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