Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

„Are you busy?” –“No” -“Then escort me!”

27.03.2011, 10:00

Wow, sechs Monate in Sambia!
Das heißt, ich bin mittendrin. Im Leben, in der Familie, Jugend, Arbeit -und ich fühl mich pudelwohl! Mittendrin bei anderen Menschen in einem anderen Land auf einem anderen Kontinent. Immer wieder bin ich fasziniert und überrascht oder verstehe erst jetzt plötzlich bestimmte Dinge. Die Gelassenheit der Menschen hier in Maamba mag ich besonders. So passiert es des Öfteren, z.B. nach den Jugendtreffen am Sams- und Sonntag, dass jemand fragt: „Are you busy?“-„No“- „Then escort me!“ („Hast du was vor?“ –„Ne“- „Dann komm mit mir!“) oder ein einfaches „Let´s go“. Nicht wissend wohin oder wie lange es dauern wird. Fragen hab ich mir abgewöhnt. Mit einer Hand voll Leuten geht es dann los, meist Richtung Markt, tauscht sich über deutsche und zambische Eigenheiten aus (Wie funktionieren Partnerschaften oder wann ist ein Rock zu kurz?), trifft den ein oder anderen, genießt die tief stehende Sonne mit einer leichten Brise, besucht jemanden, trinkt kaltes Wasser oder Tee. Und den natürlich immer mit Fritas. Letztens hab ich auch meine erste zambische Avocado gegessen). Bei Dämmerung wird der Bogen Richtung Zuhause eingeschlagen, um vor Dunkelheit dort zu sein. Das ist im Moment um ca. 19 Uhr. Andernfalls kann man sich aber immer sicher sein „escorted“ zu werden. Den Brauchtum den ich hier sehr mag. Generell wird kein Gast nur zur Tür gebracht „und tschüss“. Nein, bis zur Hälfte des Weges wird mitgegangen. Und wenn nicht, dann gibt’s zumindest einen „Push“ bis zur nächsten Ecke. Es sei denn, man ist tief ins Gespräch vertieft oder amüsiert, so dass man plötzlich vor der Tür des anderen steht und nach einer Kehrtwende das „escorten“ zurück fortsetzt. Dabei sagt das Gehtempo sehr viel über das Gemüt der Sambier aus. Ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ und das lässt sich problemlos auf andere Altersklassen übertragen. Hetze, Nörgeln und meckern sind da irgendwie sehr fern.

Überrascht bin ich auch immer wieder von dem Glauben der der Menschen. Zum einen natürlich an Gott und die Bibel: „ …, weil Gott mir Zwillinge geschenkt hat“ , „ Auch in der Bibel wird gesagt….“ und „ ich werde beten für…..“. Auf der anderen Seite aber auch der Aberglaube an Satanismus/ Hexerei, Liebestränke und traditionelle Medizin. Trotz westlichem Leben mit Fernsehen und Internet. Das bekam ich dann besonders im Krankenhaus mit, wenn manche Frauen in verfrühten Wehen lagen durch traditionelle Medizin oder Mittel von „Witchdoctors“ ausgelöst. Und seitdem ich auf die Kinderstation gewechselt bin, wenn Wunden mit des gleichen behandelt werden und dadurch bereits extrem entzündet sind.

Andererseits gibt es aber auch lustige Situationen, wenn mein Vater mir erzählt, dass Schlangen Babys nicht beißen und wie gelähmt sind wenn sie einer Schwangeren begegnen. Und meine Freundin Maneya, die mich vor den Folgen von Liebestränken etc warnt, da sie ja ernsthaft liebeskrank machen würden.
Im Dezember sind meine Eltern nach Mazabuka gegangen, wo sie angefangen haben zu bauen. Und für eine höchst sonnenreiche Woche nach Weihnachten sind wir mit dem Rest der Familie nachgekommen, um mitzuhelfen. Nach einem sehr (!) verregneten Januar kamen Dad und Mum wieder nach Maamba und das erste was sie strahlend zu mir sagte war : „Now you are white and fat!“ So unterschiedlich können Schönheitsideale sein.

Ja, da ist wieder das Gefühl von mittendrin sein. In der Mischung der Kultur aus Tradition und Moderne. Den Blick nach Westen, doch stets mit den Wurzeln im sambischen Grund. Für dieses Mittendrin bin ich dankbar. Auch für 6 Monate Entdeckungen, Erfahrungen, sambisches Kochen und Nähen lernen und die andere Rolle in Familie und Gesellschaft zu erleben. Mittendrin und es liegt noch eine lange Zeit vor mir. Erst dann gehe ich wieder zu anderen Menschen in ein anderes Land auf einen anderen Kontinent.

Junia

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